Reclaim Donaukanal

Selbstverwaltete Orte sind rar in Wien, und die wenigen, die es gibt, sind ständig bedroht. Die Agora am Donaukanal hat schon vom Gericht einen Räumungstermin bekommen, und auch wenn jetzt Häupl interveniert haben soll, um eine Lösung zu finden, damit die Kunstmeile bleiben kann, drohen immer noch die Gerichtskosten eines mehrjährigen Prozesses, die die via donau von dem Verein weiterhin einfordert.

Finger weg von Freiräumen und selbstverwalteten Projekten!

Am Samstag 1. Oktober ab 15 Uhr gibt es ein Fest für die Agora:

Termin im Indymedia-Kalender

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Schon wieder Unruhe im 16ten

Vor knapp hundert Jahren, am 17. September 1911, gab es eine Teuerungsrevolte in Wien, mit brennenden Schulen, verwüsteten Amsthäusern, Straßenbarrikaden und mehren durch “Sicherheitskräfte” Ermordeten und unzähligen Verletzten.

Zu diesem Anlass finden am 17. September 2011 in Ottakring verschiedene Aktionen statt: Aufständische Köstlichkeiten am Yppenplatz, ein historischer Spaziergang, ein Parkfest am Hofferplatz und (vielleicht mehr als) eine Afterparty.

Mehr dazu:

https://17september.noblogs.org/

zwei Aufrufe dazu:

17. September: Parkfest am Yppenplatz – 100 Jahre Wiener Teuerungsrevolte – (auf indymedia)

17. September 1911 – 2011 Demo und Parkfest in Ottakring – (auf indymedia)

(bei den Links müssen gegebenenfalls die https-Zertifikate bestätigt werden, bzw. das s hinter dem http gelöscht werden)

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Debatte um Besetzungen in Wien

Seit diesen Sommer wieder einige Besetzungen in Wien (und eine in Linz) stattgefunden haben, wird wieder viel darüber geredet und auch geschrieben.

Auf Indymedia gibt es dazu ein paar eher “theoretische” Texte (neueste zuerst):

Außerdem sei auf die beiden Indymedia-Features der letzten Wochen verwiesen:

Sowie auf den Reader “Für ein Autonomes Zentrum … in Wien und überall!” (PDF-Datei)

Der Sommer ist noch nicht vorbei! Bis bald an dieser Stelle, oder vielleicht in einem neuen Autonomen Zentrum…

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4* Hotel BESETZT

Sondermeldung: Bullen im Haus!

Das im Rahmen der SoSoSqua-Action still besetzte 4*Hotel Kaiserpark Schönbrunn in der Grünbergstraße 11, 1120 Wien, wird gerade JETZT von der Polizei besucht. Bitte kommt zeigt eure Präsenz auf der Straße und Solidarität mit den Menschen im Haus.

Es wurde bewusst still gehalten, um Vorbereitungen zu treffen und daraufhin den Luxus für alle zugänglich zu machen. Die Exekutivbeamt_innen durchkreuzten unser Vorhaben. Im Moment laufen sie durch die unteren Stockwerke, sind auf dem Dach…uns habens noch nicht! 

Hier eine kurze Erklärung, warum, was und wieso überhaupt:

Am 31.07.2011 wurde die Triesterstraße 114 geräumt. Aber durch Räumungen lösen sich Menschen
und ihre Bedürfnisse nicht in Luft auf. Durch die weiterhin bestehenden Bedürfnisse nach autonomen Lebensräumen
auch nach der Vertreibung der Menschen durch die WEGA ist schon der Weg in das nächste Haus gefunden.
Nach einem Haus ohne Infrastruktur wird nun in ein ehemaliges Vier-Sterne-Hotel geladen.
Sanitäranlagen, Küchen, Wohnzimmer, Büros, Speißesäle und genügend Suiten vorhanden.

In (immer noch) frisch gemachten Betten zu schlafen, haben wir uns wahrlich verdient.
Trotzdem trifft uns das Ausmaß an Absurdität, wenn Luxus-Hotels leer stehen, während in
den Medien von massiven Wohnungsmangel berichtet wird, Menschen auf der Straße schlafen
weil zuständige Einrichtungen zusperren.

Auf den ersten Blick erscheint es dennoch fragwürdig warum wir uns dieses Mal ein Hotel aussuchen –
ein Haus eines_r privaten Eigentümers_in und nicht ein Haus der Stadt Wien.
Durch diese Aktion wird auch nicht aufgezeigt wie viele leerstehende Häuser mit vielen leerstehenden Wohnungen es gibt.

Was aber nun zu sehen ist, ist unsere Entschlossenheit uns weiterhin Wohn- und Lebensraum zu nehmen, wenn und
solange wir diesen benötigen.

Es stellt sich die Frage, warum es in dieser Stadt Wien ausreichend Platz für Luxushotels gibt aber der Bedarf an
einem Autonomen Zentrum und selbstbestimmten Lebensräumen nicht nur ignoriert, sondern aktiv verhindert wird.
Eine Stadt namens Wien, die Platz für Privatpersonen hat, die luxuriöse Häuser ungenützt lassen,
aber Menschen in Wohnungsnot oder mit alternativen Wünschen und Anliegen für ihre Lebensgestaltung in einem verfallenen
Haus, aus Profitgier oder einfach auch nur aus purer Arroganz, nicht tolerieren will.

So wird der Lebensraum Stadt zu einem Konsumgut unter vielen, anstatt Platz zu bieten für die vielfältigen
Wünsche und  Bedürfnisse ihrer Bewohner.innen. Betonwüsten durchquert von Strassenschluchten, die nicht zum bleiben,
diskutieren und Leben einladen, sondern den Rückzug in private Probleme fördern, anstatt sie kollektiv zu lösen.

LUXUS FÜR ALLE – LEERSTAND ZU WOHNRAUM

Wir würden uns freuen wenn ihr vorbeikommt und euch solidarisiert!

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“Sommer, Sonne…

…Squatting Action”

“Aktion Schwarze Katze” plant Aktionstage ab Freitag dem 29. Juli 2011. Der nächste Termin ist: Freitag, 29. 7., 14h @ EKH, Wielandgasse 2-4: Transpis malen

Mehr Infos und wahrscheinlich dann bald die Adresse eines neuen Squats: https://ask.noblogs.org/ bzw. http://ask.noblogs.org/oder auch bei https://at.indymedia.org bzw. http://at.indymedia.org.
(https-Links sind sicherer, es muss aber evtl. vor Betrachtung der Seite erst ein Zertifikat bestätigt werden).

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Für ein Autonomes Zentrum … in Wien und überall!

Eine Sammlung von Artikeln rund um die Lobmeyr-Hof Besetzung, Stand 19. Juli. Zum Download als PDF.

 

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Der Fall der Jubiläumshäuser

Ein wenig geschichtliche Information zum Lobmayrhof und seinem Zwillingshof.

Dieses Buch wurde uns von einem Nachbarn vorbeigebracht, der meinte, wir könnten es vielleicht gebrauchen. Es beschreibt vor allem die Geschichte des Nachbarhofes mit dem Namen “Jubiläumshof”, dem in den Siebzigerjahren ein ähnliches Schicksal widerfuhr, wie heute  dem Lobmeyrhof, nur dass damals die Besitzverhältnisse andere waren. Der Jubiläumshof, der damals in Privatbesitz war, wurde nach und nach “entmietet”, also die MieterInnen u.a. durch Unterlassung von Instandhaltungsarbeiten und verschiedene Schikanen verdrängt und teilweise letzten Endes geräumt. Auch damals spielte bei dieser Entwicklung die Stadt Wien eine zentrale Rolle, weil sie das Grundstück übernahm, bis auf die Außenfassade alles abriss, um dann ein höheres Gebäude mit niedrigeren Decken und größerer Gesamtfläche zu bauen. Wer sich das Resultat heute vor Ort anschaut, findet ein Paradebeispiel eines hässlichen Siebziger-Jahre-Baus.

Schon damals führte die Aufwertungs- und soziale Verdrängungspolitik der Stadt zu Widerstand, der hier ausführlich dokumentiert ist.

Von der AutorInnengruppe “Dokumente des Klassenkampfes”, Wien, 1. Mai 1974

Als PDF zum Download (Achtung, 11 MB)

 

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Fest in Erinnerung an Carlo Giuliani, Mittwoch, 20. 7. 2011

Einladung zum Straßenfest

Flyer Straßenfest

Mittwoch, 20. 07. 2011 Omofuma Denkmal / Vor Museumsquartier ab 15.00 Uhr

10 Jahre ist es nun her, dass im Zuge der Demonstrationen gegen den G8-Gipfel in Genua Carlo Giuliani von einem Polizisten erschossen wurde. Dies gibt uns Anlass am Mittwoch zum Straßenfest am Omofuma Denkmal einzuladen. Am Beispiel von Einem  wollen wir an alle erinnern welche in ihrem Sein für die Gesellschaft selbst zu Opfern wurden. Sein Tod ist ein Sinnbild für die Vorfälle damals in Genua. Hunderte sind damals der Repression anheimgefallen. Es gab hunderte Festgenommene, welche in den italienischen Gefängnissen verschwanden und Opfer von Folter wurden, die daraus resultierenden Prozesse auf beiden Seiten sind zum Teil bis heute noch nicht beendet sowie die Frage der Verantwortung der Polizeiaktionen bis heute nicht vollständig geklärt.

Carlo Giuliani wurde vor zehn Jahren in Genua beim G8-Gipfel Opfer der Kugel eines Polizisten. Wie wir mittlerweile wissen, stand der Einsatz von Schusswaffen in keinem Verhältnis zur Gefahr für Leib und Leben des bzw. der beiden Polizisten. In Genua haben wir gesehen wer der Aggressor ist und wer versuchte sich zu verteidigen. Die italienische Polizei setzte von Anfang an auf Konfrontation und wollte die Proteste um den G8-Gipfel eskalieren lassen. Ob mit Wasserwerfern oder Reizgas, ob so genannte friedliche als auch so genannte militante Demonstrant_innen wurden zu jeder Zeit angegriffen. Hinzu kommt, dass Zivilpolizist_innen von Anfang an versucht haben den Schwarzen Block zu Aktionen zu drängen – ob als Provokateur oder riot cop. Die Eskalation sollte sich als Ausnahmezustand manifestieren, um vom alltäglichen Ausnahmezustand abzulenken.

Die Exekutive versucht schon im vorhinein politische Bewegungen zu kriminalisieren und sie als Feind_innen des Volkes (woher kommt uns dies bekannt vor?) zu deklarieren. Dadurch stellt sie sich als Verteidigung hin und diffamiert alles, was diesem Zustand entgegentreten will. Oder wie kann sich mensch eine Polizei, welche als Gewaltmonopol täglich schikaniert, sonst erklären? ….Sondereinheiten, Wasserwerfer, Knüppel, Tränengas und Pistolen.

Sie sind der Aggressor und nötigen uns zum Widerstand. Zur Verteidigung unsrer Freiheit. Wir möchten ebenfalls an alle Aktivist_innen erinnern, welche von staatlicher Repression betroffen sind. Ob durch gesamtgesellschaftliche Schikanen, wie dem Lohnsystem, Bespitzelung, Knast oder sogar dem Tod.

 

Es wird versucht den Alltag, in welchem Gewalt immanent ist, als einen friedlichen Zustand zu deklarieren, um jegliche Form von Gewalt, welche nicht vom Staate ausgeht zu kriminalisieren.

Anstatt jedoch über Gewalt in all seinen Formen zu debattieren, wird ständig in friedlich und gewaltbereit unterschieden – zwischen Angriff und Verteidigung, wobei man die alltägliche Gewalt des bestehenden Systems ausklammert.

Bis heute wird von terroristischer Gewalt, grenzenloser Gewalt von Chaoten etc. gesprochen. Jedoch nie über die Umstände, in welchen dies geschieht.

Es ist genau diese Manifestation der Gewalt in der Gesellschaft, welche Aktivist_innen zu widerständigem Handeln ermutigt. Bezieht man jedoch klar Stellung, muss man mit der Fratze des Staates rechnen und mit der ganzen Repression, welche er zu bieten hat.

Repression ist Teil des bestehenden Systems, psychische sowie physische Gewalt des Staates eine logische Konsequenz – sobald ihm etwas entgegengesetzt wird.

Diejenigen, welche sich dafür einsetzen gesellschaftliche Misstände aufzuzeigen und einen Wandel zu forcieren, exponieren sich selbst der Repression welche das Bestehende erhalten will. Im Dienste der Gesellschaft stehend werden sie von der erhaltenden Gewalt verfolgt.

Hier zeigt sich ein zentraler gesellschaftlicher Widerspruch. Die Gewalt, die das Bestehende erhält ist ein Element der Gesellschaft welches im Widerspruch zu ihrer Gesamtheit steht. Der Wandel ist ein unabdingbarer Prozess, welcher jede Gesellschaft am Leben erhält, diesem steht die von ihr selbst geschaffene Gewalt gegenüber, welche das Bestehende zu erhalten sucht. Sie ist das Stagnationselement einer Gesellschaft und tritt zu jeder Zeit zu der ihr inhärenten Dynamik in Widerspruch.

Aktivismus findet nicht nur trotz oder gegen Repression statt – es sind zwei untrennbare Elemente. Wer sich politisch engagiert, muss mit Widerstand der Staatsgewalt rechnen und wird somit zum „Widerständigen gegen die Staatsgewalt“ und „Straftäter“. Die Formen von Aktivismus sind vielfältig, wobei die Antwort auf diese meist recht einfach ist: Repression wird zum Alltag.

Den Alltag zu überwinden ist für die Menschheit schon immer eine große Herausforderung. Aber irgendwie haben wir’s doch immer geschafft. Darum auch heute: bleibt aktiv, steht morgens auf und überwältigt den Alltag!

 

Fürs leibliche Wohl sorgt die Vokü oder im Zweifelsfall die Staatsgewalt.

Bringt Infomaterial und alles was Euch einfällt mit!

 

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Ein paar Gedanken zur Besetzung des grünen Hauses in der Lindengasse

Die Idee, nach einer möglichen Räumung die Parteizentrale der Grünene zu besetzen, kam schon während der Zeit im Lobmer-Hof mehrfach auf. Fragen wie die folgenden sind im Vorfeld leider nicht in einem größeren Kreis diskutiert worden: auf welche Weise, mit welchem Ziel besetzt soll besetzt werden, wie soll dabei die Kommunikation mit den Grünen und nach Außen aussehen, wann soll die Besetzung beginnen, wie lang soll sie gehen etc.

Nach der Räumung, wohl auch aus dem Bedürfnis, einen Sammelpunkt zu haben, wurde beschlossen direkt zu den Grünen zu gehen. So taumelten wir von einer Räumung direkt zur nächsten Aktion, was natürlich einen Teil der Dynamik mitzunehmen ermöglichte, aber gleichzeitig auch kaum einen Moment ließ, um wirklich zur Ruhe zu kommen.

Der erste Empfang bei den Grünen war eher stressfrei. Die BesetzerInnen fingen an zu frühstücken, in kleinen Runden zu reden, die Räumung zu reflektieren und das künftige Vorgehen zu besprechen. Doch schon bald zeigte sich, dass die Grünen in Stress geraten waren. Dabei wurde vorerst vor allem der Hof und die anliegende Küche besetzt. Weder wurde die Arbeit in Büros behindert, noch übermäßiger Lärm erzeugt.

Ein paar linkere bzw. autonom-affine Grüne wurden gesellten sich dazu bzw. vorgeschickt, um herauszufinden, was die BesetzerInnen eigentlich wollten, und was sie zum Gehen bewegen könnte. Schon relativ früh wurde der später vielfach wiederholte Versuch gestartet, ein gemeinsames “Plenum” zu initiieren, bei dem die Grünen immer versucht haben, klar den Ton, den Modus des Gesprächs bzw. das Thema anzugeben. Der erste Vorstoß war dann das Angebot, sich um Straffreiheit zu bemühen, bzw. sich dafür einzusetzen, dass Wiener Wohnen eine diesbezügliche Erklärung abgibt. So etwas habe bereits in der Vergangenheit mehrfach geklappt.

Die Frage ist, warum uns die Grünen dafür ein Plenum aufzwingen mussten, obwohl viele Stimmen meinten, nach der Räumung bräuchten wir noch etwas Zeit zum Entspannen und bewerten der neuen Situation. Es ist anzunehmen, dass die Parteiführung Druck gemacht hat, und händeringend nach Angeboten gesucht wurde, die uns besänftigen und zum baldigen nach Hause Gehen bewegen, aber gleichzeitig keine wirkliche Verbindlichkeit für die Grünen bedeuten würden. Dass sie sich für ein Fallenlassen der zu erwartenden Verwaltungsstrafen einsetzen, hätte sicher niemenschen gestört. Zufriedenstellend war dieses vage Angebot allerdings kaum.

Zu diesem Zeitpunkt war die Linie der meisten BesetzerInnen, erst mal bis zum nächsten Tag zu bleiben, an dem das Fest für Dieter Schrage geplant war. Dies war vor allem eine pragmatische Entscheidung, weil dafür ein gemeinsamer Raum gebraucht wurde, der eine gewisse Infrastruktur bot. Gleichzeitig sollten die Grünen natürlich auch nicht zu leicht davonkommen.

An diesem ersten Tag der Lindengasse-Besetzung waren die Gespräche mit den Grünen noch eher darauf beschränkt, dass sie jammerten, wie sehr ihnen die Hände gebunden seien, und wie sehr sie von der SP verarscht werden, und einige BesetzerInnen ihnen voller Unverständnis Rückgratlosigkeit und den Willen zur Machtbeteiligung um jeden Preis vorwarfen. Außer der mangelnden Förderung bzw. Ermöglichung alternativer Projekte wurden auch andere Themen wie etwa das von den Grünen als “Kompromiss” mitgetragenen, völlig inakzeptable Prostitionsgesetz.

Dabei traf die Fraustration über rot-grüne Stadtpolitik teilweise jene, die sich noch am ehesten eingesetzt hatten, die unsoziale Politik der SP abzumildern bzw. eigene, teils recht positive Projekte umzusetzen. Es war ein schlauer Schachzug der grünen Führungsebene, genau diese Leute vorzuschicken, und vermutlich ein Fehler der BesetzerInnen, nicht von Anfang an Gespräche mit eben dieser Führungsebene einzufordern.

Völlig überfordert mit der Situation, dass ein großer Teil der BesetzerInnen zum gegebenen Zeitpunkt kein gemeinsames Plenum mit den Grünen wollte, und dass nicht von Anfang an klare Forderungen formuliert wurden, suchten die beteiligten Grünen das Gespräch mit Einzelpersonen. Daraus ergaben sich einzelne nicht verbindlich formulierte Angebote, wie etwa dass das Nutzen der Infrastruktur in Absprache ermöglicht werden soll, so etwa Raum für das Abhalten von Plena, Verschicken von Presseaussendungen und auch etwaige Unterstützung beim Abhalten des Dieter Schrage Festes am folgenden Tag.

Etwa gegen späten Nachmittag hieß es dann tatsächlich, Vizebrügermeisterin Vassilakou wäre eifrig dabei, sich um ein Ersatzobjekt zu kümmern, konkreteres gäbe es “vielleicht schon morgen”. Sie habe zwar im Büro des Stadtrates niemenschen erreicht, aber dafür bereits “zwei Menschen” innerhalb der SP gefunden, die “ein offenes Ohr” für unsere Anliegen hätten. Wirklich ernst nahmen diese Ankündigung vermutlich wenige.

Gegen Abend wurden die Stimmung der anwesenden Grünen nervöser, ein Ende der Besetzung schien nicht absehbar. Irgendwann wurde ihnen dann kommuniziert, dass die Besetzung zumindest noch bis zum nächsten Tag aufrecht erhalten werde, um das Fest vorzubereiten.

Am mittäglichen Plenum wurde dann beschlossen, dass auch während des Fests ein Teil der Leute in der Lindengasse bleibt, um es den Grünen nicht zu einfach zu machen, und später einen gemeinsamen Sammelpunkt für den Abend zu haben. Manche Stimmen wollten die Besetzung auf jeden Fall bis Montag aufrecht erhalten.

Vor allem der Direktor des Rathausclubs war zu diesem Zeitpunkt nahe daran, Nerven und Geduld zu verlieren. Auf die Anfrage, für das Straßenfest Bierbänke auszuleihen wurde ziemlich geblockt. Die kooperative, hilfsbereite Haltung vom Vortag war vorbei.

Nach dem Fest war die Stimmung im Hof des grünen Hauses in der Lindengasse dann komplett zweigeteilt. Die BesetzerInnen kamen erstmals nach der Räumung des Lobmeyr-Hofs wirklich dazu, entspannt miteinander die Geschehnisse der letzten Tage zu reflektieren, die Grünen wirkten höchst angespannt und unzufrieden. Sie drängten auf ein gemeinsames Plenum, waren dabei aber in der Vorgabe des Zeitpunkts und des Haupttagesordnungspunktes derart autoritär, dass viele sich eher über sie lustig machten als das Anliegen ernst zu nehmen.

Konkret verlangten sie ein Plenum noch in der selben Nacht, mit der Vorgabe, dass die Besetzung bis zum Mittag des nächsten Tages aufgelöst werden müsse. Der Einwand der BesetzerInnen, dass sie zuerst unter sich plenieren müssten, und viele aufgrund der späten Stunde, der Nachwirkungen der Räumung und der für manche nicht einmal abgeschlossenen Festorganisation einfach nicht mehr fähig wären noch zwei Plena hintereinander abzuhalten, wurde ignoriert. Zuvor hatten die Grünen noch schriftlich ihre Angebote abgegeben, die letztlich wenig beinhalteten außer der Ankündigung, man werde sich weiter einsetzen für autonome Zentren und mit der SP verhandeln. Außerdem könnten bestimmte Räumlichkeiten und Infrastruktur während des Sommers von 9-12 vormittags genutzt werden. Ihre eine Forderung war klar: Dass die BesetzerInnen gehen, und den Grünen den Gefallen tun, nicht die Polizei rufen zu müssen.

Der Frage, was passieren würde, wenn die BesetzerInnen der Anforderung der Grünen nicht nachkämen, wurde zuerst unbeholfen ausgewichen. “Das könnt ihr euch ja wohl denken.” war der erste Kommentar, später wurde die Möglichkeit einer polizeilichen Räumung auf nachbohren bestätigt, für den Fall dass keine andere Lösung – also freiwilliges Abziehen der BesetzerInnen – gefunden werde.

In Einzelgesprächen wurde dann auch etwas mehr ausgepackt. Irgendein Parteigremium habe wohl schon beschlossen, dass im Zweifelsfall polizeilich geräumt werden würde. Die Fraktion derer, die sich gegen eine Räumung aussprach, wäre verhältnismäßig klein. “Schaut’s, dass die bis mittag weg sind.” – so in etwa war die Anordnung von oben an die als VermittlerInnen eingesetzen Grünen. Der Auftrag war kein leichter, angesichts der plenumsmüden BesetzerInnen, die stur auf ihrem Modus beharrten, konsensorientiert und basisdemokratisch Entscheidungen zu fällen. Dies schloss natürlich ein spontan angekündigtes Plenum mit dem Ziel, über die Auflösung der Besetzung zu entscheiden, aus, erst recht zu einem Zeitpunkt spät am Abend oder in der Nacht, ohne Partizipationsmöglichkeit für alle, die zum Ausruhen kurz nach Hause gefahren waren, jene die schon schliefen, oder einfach nicht mehr die Konzentrationsfähigkeit für zwei Plena hintereinander hatten.

Über Stunden zog sich diese Szene hin, und die anwesenden Grünen wurden nicht entspannter. Langsahm übertrug sich diese Stimmung auch ein wenig auf die BesetzerInnen. Das war auch ein Resultat dieser insgesamt nicht wirklich konsequenten Besetzung, die es den Grünen, wenn sie es wollten, immer noch erlaubte, Ton und Thema anzugeben. Selbst während der Plena, bei denen sie explizit ausgeschlossen waren, platzten einige von ihnen ständig herein. Die Besetzung war letzten Endes eher eine schlecht funktionierende Koexistenz. Zu keinem Zeitpunkt wurde wirklich angedacht, das Haus zu verbarrikadieren und wirklich temporär einzunehmen.

Auf die Anforderung nach einem gemeinsamen Plenum wurde der frühe (Samstag-)Nachmittag vorgeschlagen, so dass die BesetzerInnen noch davor am Vormittag ihr eigenes Plenum abhalten konnten. Stundenlang zeigten sich die Grünen unnachgiebig und ließen sich auch bis zu ihrem Abgang mitten in der Nacht nicht auf einen gemeinsamen Termin mit ihnen nach 11 Uhr ein.

Am nächsten Tag gingen sie dann um zwischen elf und halb zwölf herum, um einzelne noch schlafende BesetzerInnen zu wecken, und ein sofortiges Plenum einzufordern. Nach einem kurzen Gespräch ließen sie sich dann doch auf einen Termin um 14 Uhr ein, ein Vorschlag der am Vorabend nur mit höhnischem Lachen beantwortet worden war.

Inzwischen waren auch die Nerven einiger BesetzerInnen ziemlich blank, es gab auch Konflikte untereinander zum Beispiel um die Zielrichtung der Besetzung und die Frage, ob und wie mit den Grünen überhaupt kommuniziert werden sollte. Manche waren durchaus dafür, Forderungen an die Grünen zu stellen und auch die Besetzung nicht einfach ohne Gegenleistung aufzukündigen. Andere waren dafür mit den Grünen am besten kein Wort zu reden, wieder andere sahen überhaupt keinen Sinn mehr in der Besetzung.

Das folgende Plenum der BesetzerInnen war eine erfrischende Grundsatzdiskussion, bei der sich abzeichnete, dass die meisten eher die Besetzung auflösen würden, als zu erlauben, dass die Situation zur internen Verwerfung führen würde. Statt dessen waren viele für eine klare Abgrenzung von jeglicher Parteipolitik und eine Rückbesinnung auf das eigene Handeln. Bevor diese Diskussion wirklich abgeschlossen werden konnte, platzte die Grüne “Delegation” herein und bestand auf ein sofortiges gemeinsames Plenum.

Es gab diverse Unmutsäußerungen, aber letztlich setzten sie sich und wiederholten die ewige Forderung nach Forderungen von uns. In einer relativ offenen Runde von Wortmeldungen hörten die Grünen vor allem zu und schrieben mit. Die Meldungen bestanden vor allem aus einer Absage an jegliche Einvernahmeversuche und eine klare Abgrenzung von jeglicher Parteipolitik. Gleichzeitig wurde kommuniziert, dass die Grünen den Anschluss an anti-hierarchische soziale Bewegungen und die Fähigkeit mit ihren AkteurInnen zu kommunizieren quasi gänzlich verloren haben. Es wurden dann doch noch ein paar Fragen an die Grünen formuliert, zum Beispiel warum sie zu der massiven Einschränkung der Pressefreiheit bei der Räumung des Lobmeyrhofs noch nicht öffentlich Stellung genommen hätten. Relativ zu Anfang wurde ihnen auch gesagt, dass wir unter diesen Bedingungen die Besetzung wohl nicht fortführen werden, was vielleicht ein Fehler war.

Nachdem eine kleine Pause eingetreten war, zeigte sich, was diese vier oder fünf Grünen unter einem “gemeinsamen Plenum” verstanden. Sie zogen sich für eine halbe Stunde zurück, um dann eine ausformulierte Stellungnahme mehr oder weniger vom Blatt zu verlesen. Ja ihr habt Recht, wir werden uns einsetzen, wir können aber nichts versprechen, unsere Angebote zur Nutzung von bestimmter Infrastruktur auf Anfrage bleibt aufrecht usw. Das ganze wirkte eher wie ein Ritual aus Koalitionsverhandlungen.

Danach löste sich das “Plenum” in kürzester Zeit auf, die meisten aus der grünen Delegation verschwanden innerhalb von Minuten aus dem Blickfeld. Eine Diskussion fand nicht statt, war auf beiden Seiten von wahrscheinlich den meisten nicht mehr wirklich gewünscht. Dann wurde zusammengepackt und aufgeräumt.

Hinterher waren viele erstmal erleichtert, weil die Besetzung und der unklare Umgang mit den Grünen an den Nerven gezehrt hatte. Einzelne wären wohl gerne zumindest bis zum Montag geblieben, um den Druck auf die Grünen noch zu erhöhen, vielleicht ein Gespräch mit Personen aus der Führungsebene zu erreichen und um die Räumlichkeiten weiter rund um die Uhr nutzen zu können.

Trotz allem wird die Besetzung von vielen durchaus positiv bewertet. Bei den Grünen sind intern einige Diskussionen losgetreten worden. Gleichzeitig ist ein klares Zeichen gesetzt worden, dass auch die Grünen nicht so einfach mit Lippenbekenntnissen davonkommen. Auch in autonomen Kreisen wird der Umgang mit den Grünen hoffentlich wieder diskutiert und kritisch unter die Lupe genommen. Ein klarer Antagonismus zu dieser letztlich bürgerlichen und hierarchischen Partei ist in der “Szene” kaum zu spüren. Geld und Unterstützung werden gerne angenommen, offene Kritik wird selten geäußert.

Klar geworden ist auf jeden Fall, dass die Grünen völlig unfähig sind, mit nicht-hierarchisch organisierten Kollektiven zu kommunizieren. Eine solidarische Diskussion wurde nie gesucht, es blieb immer bei der wir-ihr-Rhetorik.

Manches spricht dafür, bei einer etwaigen erneuten Besetzung konsequenter zu sein und das Gebäude wirklich anzueignen.

Wie der Umgang und eventuelle Zusammenarbeit mit jenen grünen Einzelpersonen, deren Solidarität ernst gemeint ist und die tatsächlich gute Arbeit auf bestimmten Gebieten machen, in Zukunft aussehen soll, ist eine offene Frage.

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Nach der Räumung des Lobmeyr-Hofs – Eine kleine Reflexion einiger weniger Individuen

In den meisten Medien wurde die Räumung eher niedlich dargestellt. Vermutlich liegt dies unter anderem daran, dass nur einem Krone- Journalisten der Zutritt zum Hof von der Polizei gestattet wurde.  Hier wird kurz versucht darzustellen, was sich in den Häusern und auf den Dächern abgespielt hat:

Uns wurden (für diesen Morgen, den 14.07.) von Wiener Wohnen Gespräche zugesichert, weder von Wega noch von Räumung war die Rede. Die Besetzer_innen gingen täglich von einer Räumung aus und waren für den Fall der Fälle vorbereitet. Wir verteilten uns auf drei  Häuser und zwei Dächer.  Ohne Vorwarnung stürmte morgens die Wega den Hof. Die Anzahl der gepanzerten Beamt_innen lässt sich nicht schätzen. Die Barrikaden, welche dem Schutz der Bewohner_innen dienten, erschwerten der Polizei den Zugang zu den Häusern. Diese Hindernisse führten scheinbar zu einer persönlichen Frustration der Beamt_innen, welche sie auch die Gewaltgrenze eher überschreiten lies. Sie drangen in die Häuser ein traten auch unverschlossene Türen auf, ohne nachzuprüfen ob sich Menschen dahinter befinden. Durch das Aufschlagen der Tür wurde zumindest eine Person verletzt. Den Menschen auf den Dächern wurde gedroht sie runter zu stoßen, wenn sie nicht freiwillig gehen. Die Wega setzte unterschiedliche Mittel ein um die Besetzer_innen aus den Häusern und von den Dächern zu holen.  Neben psychischen Druckmitteln, wie Gewalt- und Morddrohungen, Beschimpfungen, sexistischen Äußerungen, wurde auch physische Gewalt angewendet. Menschen wurden an den Haaren von den Dächern gerissen, der Würgegriff wurde angewendet, es wurde getreten und gestoßen. Die Vorgehensweise der Exekutive kam für viele keineswegs überraschend, das womit nicht gerechnet wurde, war dass dies unter Ausschluss jeglicher Öffentlichkeit und Presse geschah. Das Dokumentieren der Gewaltakte wurde generell unmöglich gemacht.

Auch wenn nach der Räumung der Schock tief saß, konnte uns die Stärke und Entschlossenheit für ein Autonomes Zentrum zu kämpfen, nicht genommen werden.

Unterschiedliche Motivationen führten zur Besetzung des Grünen Hauses in der Lindengasse. Die Haltung gegenüber der Grünen war unter den Besetzer_innen sehr unterschiedlich. Einige versprachen sich wohl eine aktivere Unterstützung von der Partei, andere sahen sie als maßgeblich Mitverantwortliche für die Räumung und die Vorgehensweise der Polizei. Wiederum andere besetzten das Grüne Haus aus dem gleichen Unmut den sie dem Regierungssystem gegenüber Tag für Tag verspüren und fühlten sich gerade durch das vorangegangene Entgegenkommen der Grünen provoziert. Ganz in der Tradition der Grünen Partei  versuchten diese sich das Projekt Autonomes Zentrum Ottakring auf ihre scheinbar sozialkritischen Fahnen zu schreiben und für ihre Realpolitik zu vereinnahmen.

Genau so wurden die Besetzer_innen auch aufgenommen. Freundlichkeit und wirkungsvolle Versprechungen wurden ihnen entgegengebracht. Die Reaktionen darauf waren auch unterschiedlich. Manche wollten einfach nur auf ihre Kosten frühstücken, andere suchten einen Platz zum Schlafen, manche suchten das Gespräch und direkte Konfrontation und wiederum andere positionierten sich durch das Ignorieren dieser institutionalisierten „Hilfe“. Schon nach 24 Stunden schien sich die Haltung der Parteimitglieder in Ablehnung und Unverständnis gewandelt zu haben, welche mittels Beschwerden von Angestellten und Anwohner_innen in dem Gebäude argumentiert wurde. Die Besetzer_innen wurden unter Druck gesetzt ein Gespräch mit den Parteimitgliedern zu führen und Forderungen wurden verlangt. Es wurde keine Rücksicht auf Erschöpfung und die zeitliche Einschränkung der Besetzer_innen aufgrund ihres Engagements für das Straßenfest am 15. Juli in der Lorenz-Mandl Gasse, genommen. Am Morgen des 16. Juli mussten wir feststellen, dass durch die Gesamtsituation der Besetzung des Grünen Hauses die gemeinschaftliche Verfolgung der vorrangigen Ziele der Besetzer_innen in den Hintergrund geraten war. Eine klare Positionierung und Distanzierung schien uns notwendig. Die Besetzung wurde aufgelöst. Wir verließen das Grüne Haus.

Conclusio und Position der Verfasser_innen:

Die Verwirklichung des Projektes Autonomes Zentrum, kann nicht in Zusammenarbeit oder mit Hilfe der systemimmanenten Strategien der Grünen Partei – sowie jeder anderen Instanz, die das System, dem wir mit unserem Projekt entgegentreten wollen, stützen – stattfinden.

Wenn wir autonom sein und auch bleiben wollen, sollten wir uns auf unsere eigenen Ideen, Strategien und  Mittel verlassen. Wir schöpfen unsere Kraft und Motivation aus dem Willen etwas zu verändern und die Fortsetzung und Reproduktion des status quo zu verhindern – wir schöpfen sie aus uns selbst. Klare Abgrenzung von denen, die uns von je her entgegenstehen. Ohne sie, wenn nicht aktiv gegen sie handeln, eigene Ziele verfolgen ohne sich ablenken und einlullen zu lassen!

Wir können nicht mit den staatserhaltenden Institutionen einen gemeinsamen Weg teilen, da der ihre ein hierarchischer, ein von uns von Grund auf kritisierter ist – selbst wenn einigen die Ziele im Ansatz ähnlich scheinen mögen, wir glauben dennoch an eine andere Welt, eine, die sich die Grünen wohl nicht mal vorstellen wollen.

 

 

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